Remote oder Home Office: Wie gestalte ich das «Wir-Gefühl» bei virtuellen Teams?

Eine gute Zusammenarbeit im Team führt zu vielfältigen Ideen und Lösungen. Das wiederum setzt voraus, dass sich Teammitglieder mit ihren Befindlichkeiten, Eigenschaften, Werten und der Unterschiedlichkeit eines Jeden bewusst sind und dadurch ein Wir-Gefühl kultiviert wird. Mit welchen Methoden kann das vertrauensvolle Klima auch auf Distanz erhalten werden?

Remote Work schafft eine hohe Flexibilität, weil jeder von einem beliebigen Ort die Arbeit erledigen kann. Hauptsache, ein Internetanschluss ist vorhanden. Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Produktivität von Teams steigt. 

Videokonferenzen sind schnell, faktenbasiert und  das persönliche Zwischenmenschliche weicht häufig  den Fachthemen. 

Wird der physische Kontakt durch technisch basierte Tools ersetzt, wie es aktuell durch die Arbeit von zu Hause geschieht, kann das Wir-Gefühl in Teams verloren gehen.  Das Wir-Gefühl ist wichtig, wenn Teams vor Herausforderungen stehen, Veränderungen anpacken möchten und ein gemeinsames Ergebnis erreichen möchten. Das Auflösen des Bürolebens verstärkt die Sehnsucht nach den spontanen Treffen auf dem Flur, an der Kaffeemaschine, der schnelle Austausch mit der Kollegin oder dem Kollegen oder das gemeinsame Mittagessen in der Kantine. 

Es fehlt schlicht der soziale Kit. 

Und obwohl sich Teamkollegen mit den Führungskräften häufig über Video sehen, kann das Gefühl des WIR im Team verloren gehen. 

Bewährte Führungsmethoden aus dem Büro lassen sich nicht 1:1 in die virtuelle Welt übertragen. Wie kann Vertrauen auf Distanz und eine motivierende Wir-Kultur entstehen?

4 Aspekte sind für Führungskräfte hilfreich:

1. Handlungsfreiheit

Arbeiten auf Distanz heisst, dass weniger Kontrolle für die Führungskraft möglich ist. Wer was wann macht ist weniger wichtig, als das vereinbarte Ergebnisse abgeliefert werden. Der Einzelne hat mehr Freiheit im Gestalten der zu erledigenden Aufgaben.  Das ist verbunden mit einem schönen Zusatzeffekt: Die Mitarbeitenden können ihre Potenziale entfalten. 

Wie kann die Führungskraft virtuell die neue Freiheit der Gestaltung zur Vertrauensbildung  und zum Erhalt eines Wir-Gefühls im Team nutzen?

Teammeetings mit Regeln für’s Remote erarbeiten:

  • die  Erreichbarkeit des Teams regeln 
  • darstellen, wer mit wem an welchen Themen oder Projekten arbeitet
  • Einführung von Collaboration Tools und deren stringente Nutzung
  • überprüfen, ob die Prozessabläufe der analogen Welt in die Digitale übertragen werden können oder ob es Anpassungen braucht 
  • Mitarbeitende  zur Selbstorganisation ermutigen 
  • auf Distanz ist Wertschätzung geben mindestens ebenso wichtig wie im Büro
  • Erfolge  würdigen 

Informationsfluss ist wichtig – wenn es der Richtige ist 

  • bewusste Abfrage, welche Informationen Mitarbeitende benötigen – der Flurfunk existiert auch im virtuellen Raum 
  • regelmässige Updates aus dem Unternehmen, um das gemeinsame unternehmerische Wissen aktuell zu halten 
  • häufiger virtueller Wissenaustausch zur Unternehmenssituation. Kurze Standup Meetings, die  durchaus über unterschiedliche Hierarchieebenen geführt werden  

2. Wertschätzung und Respekt

Arbeiten im Home office kann zu einer gefühlten Monotonie führen, wenn das zwischenmenschliche Erleben den Fachthemen weichen muss. In virtuellen Räumen ist es daher wichtig, sich bewusst Zeit füreinander zu nehmen und einen aktiven Austausch anzuregen. Das ist deutlich anders als in der klassischen Bürowelt. 

Virtuell ist es besonders wichtig,  die Zeit einzuplanen, um das Miteinander im Team zu fördern, stärken und stützen. Gemeinsames Entdecken, Lernen, Erfahren und Lachen  ermöglicht jedem, sich einzubringen und stärkt die persönliche Nähe zueinander. 

Virtuelle Anregungen: 

  • Verbundenheit und Zugehörigkeit durch kurze Meeting Formate stärken. Kurze tägliche Meetings helfen, um von den Mitarbeitenden zu erfahren, was sie bewegt, was ihnen wichtig ist, ob sie Unterstützung brauchen. Nicht jeder ist zum Beispiel mit den vielen technischen Möglichkeiten vertraut.  
  • virtuelle Mittagessen, Coffe-Talk, virtuelles Feierabendbier
  • persönlichen small talk 
  • regelmässige Teammeetings für das Fachliche 

3. Gemeinsame Werte

Gemeinsamkeiten, die das Team  auch auf Distanz verbindet, schafft ein Gefühl der Zugehörigkeit. Was verbindet das Team neben der Zielerfüllung auf der zwischenmenschlichen Ebene? 

Hilfreiche Fragen und gedankliche Anregungen für Teamgespräche

  • Was ist jedem Teammitglied wichtig, in der virtuellen Zusammenarbeit? 
  • Wie oft brauchen die Teammitglieder Austausch untereinander?
  • Wie sieht der Arbeitskontext des Mitarbeiters aus? (Home office ermöglicht Einblicke in die private Wohnsituation).
  • Welche Vorlieben haben Mitarbeitende bei der Strukturierung ihres Arbeitstages?
  • Wie wird Spass und Freude gefördert? Wird bei virutellen Meetings Raum für Humor gegeben? 
  • Wie werden Erfolge gefeiert? 
  • Wie wird mit Konflikten umgegangen? 

4. Positionssicherheit der Teammitglieder

Was in der klassischen Bürowelt häufig „nebenbei“ wahrgenommen wird, braucht in der virtuellen Welt einen Raum der direkten Ansprache.  Veränderungen (auch die in anderen Teams), strukturelle Anpassungen oder die Sicherheit des eigenen Arbeitsplatzes spielen eine grosse Rolle. 

Nützliche Fragen und gedankliche Anregungen für einen sicheren Bezugsrahmen im Team  

  • Welchen bedeutsamen Beitrag leistet jeder für das Gesamtergebnis im Team oder im Unternehmen? 
  • Wertschätzung für die Rollen im Team. 
  • Wie sicher ist der Arbeitsplatz? 
  • Wie gut füllt jeder seine Position aus? 
  • Wie wird mit Kompetenzlücken umgegangen? 
  • Wird jeder im Team akzeptiert? Woran kann man das erkennen?

Ein Wir-Gefühl im Team zu entwickeln ist kein Selbstläufer. Und in der virtuellen Zusammenarbeit kann ein Umfeld geschaffen werden, in dem Vertrauen und ein guter Umgang untereinander gestaltet werden kann. Insbesondere das emotionale Erleben der Teams muss bewusster angesprochen werden. Die Vielfalt der Kommunikation kommt zum Einsatz. 

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